Auswertung zur Besetzung der Tiefe3

Es sind 3 Wochen vergangen seit die Immobilienfirma Immovaria GmbH die Tiefe Straße 3 im Leipziger Osten räumen ließ.

Heute erstrahlt das Instagramm Profilbild der Firma in bunten Farben: eine Regenbogenflagge anlässlich des Pride-Month. Damit versucht sich Immovaria als junges, alternatives und queerfreundliches Unternehmen zu präsentieren, leugnet dabei allerdings gänzlich, dass ihr Konzept von Wohnen, geschweige denn ihre Mietpreise für kaum einen jungen alternativen und queeren Menschen erschwinglich sind.

Sollte auch nur ein winziger Funken an diesem versuchten Image dran sein, hätte Immovaria nicht ohne auch nur ein einziges Gespräch zu führen noch am selben Tag die Polizei zur Räumung der Besetzung angehalten.

Mit uns als LeipzigBesetzen wurde kein Kontakt aufgenommen, obwohl das Ordnungsamt sagte, dass “der Eigentümer sich das mal persönlich anschauen würde”. Unsere Angebote, unser veröffentlichtes Nutzungskonzept sowie unsere Gesprächsbereitschaft wurden einfach ignoriert. Stattdessen war Immovaria in den Stunden vor der Räumung damit beschäftigt, ihre “Projektliste”, mit denen sie sich auf der Website brüsten, zu bereinigen. Ein “Projekt T3” – also die Tiefe Straße 3 – gab es komischerweise nicht mehr, kurz, bevor die Polizei den Befehl zum Ausrücken bekam. Da dachte wohl jemensch, dass wir nicht wüssten, wer die seit mehreren Jahrzehnten leerstehende Tiefe Straße 3 aufgekauft hat.
(Heute finden sich auf Insta nur noch Innenansichten ohne Ortsbeschreibungen von ihren zu ungeheuren Summen an in Nürnberg und Leipzig renovierten Gebäuden. Wir fragen uns, wer ausfahrbare Mülltonnen als “Highlight” des Wohnens bezeichnet und wieso es in Badfliesen integrierte Fernseher braucht).
Denkmalschutz hat sich die Firma groß auf die Fahnen geschrieben. Stück und Schnörkeleien werden an Fassade und im Treppenhaus aufwendig restauriert und bieten einen stilistischen Kontrast zu einem hochmodernen Wohnungsinneren.

Wie an so vielen Orten wird Wohnraum immer teurer. Gentrifizierung ist kein Sonderfall des Leipziger Osten und dennoch macht sie sich hier derzeit stark bemerkbar. Von fast jedem Balkon sind Baukräne zu beobachten, wie sie an Neubauten arbeiten. Was zu mehr Wohnraum führen könnte, treibt derzeit hauptsächlich die Mieten hoch und macht Wohnraum für die finanziell eher schwach aufgestellte Bevölkerung des Leipziger Ostens unbezahlbar. Verdrängung ist eine Folge dieses Prozesses, denn nicht das Wohnraumschaffen steht im Vordergrund des Interesses sondern die Profitgenerierung einzelner Immobilienunternehmen – und mit Wohnraum lässt sich eine Menge Geld machen.

Dass der Staat und ihr Ausführungsarm – die Polizei – das Profitmachen schützt und unterstützt, konnten wir auch vor 3 Wochen wieder einmal erleben. Den ganzen Nachmittag waren die Beamt*innen großzügig anwesend, filmten Teilnehmende der Kundgebung ab, schickten Interessierte weg, regelten den Verkehr (die Verletzung der Kundgebungsteilnehmer*innen wurde in Kauf genommen, indem die Zweinaundorferstraße nicht gesperrt wurde), bis sie schließlich begannen die Menschen vor dem Haus zu drangsalieren, bevor sie mit der Räumung begannen. Um diese Durchzusetzen scheuten sie keine Mühen und flexten mit Hilfe der Feuerwehr mal eben einen Stahlzaun durch, um den Hinterhof der Tiefe3 zu betreten. Nachdem die Besetzer*innen aus dem Haus abgeführt wurden, kippte die Stimmung der Protestierenden. Sie waren sauer und versuchten alles, um die Bullen nicht durchzulassen. So kam es zu Straßenblockaden und Sprechchören, worauf die Polizei auf agressive Art und Weise reagierte. Sie fuhren in ihren Einsatzwägen auf Protestierende los, welche nur durch andere Anwesende von den Rädern zurückgezogen werden konnten. Mit Sprüchen wie “Fahr einfach drauf los” haben die Bullen wieder einmal bewiesen, dass sie niemals uns und unsere Interessen verteidigen werden.

Als langer Arm des Staates sehen sie uns als Feinde des Rechtsstaats an, was sich auch an dem übertriebenen Aufgebot am folgenden Tag zur Tag-X-Demo gezeigt hat. Bereits im Vorfeld der angekündigten Demo war der ganze Leipziger Osten von Bullenkarren gespickt, Räumpanzer und Wasserwerfer standen bereit und die gesamte Nacht über kreiste ein Heli übers Viertel. Eine ausführlichere Reflexion der Tag-X-Demo findet sich in einem extra Text (unter diesem).

Was wir nun festhalten wollen ist, dass diese Aktion uns wieder einmal gezeigt hat, dass wir uns die Stadt nehmen müssen. Unsere Straßen und Häuser unsere Parks dürfen keine Spekulationsobjekte von Großinvestor*innen sein. Dafür müssen wir gemeinsam kämpfen.

Unsere Solidarität gegen ihre Repression.

Auf einen Sommer der Besetzungen.

Auswertung der Tag X+1-Demo nach der Räumung der Tiefe 3

Wie alle Menschen, die am 12.6.2021 um 22:00 bei der Wurzner Straße waren, sehen konnten, haben die Cops die geplante Demonstration erfolgreich verhindert. Wir stehen zu der Entscheidung, zu einer Demo aufzurufen und finden es wichtig darüber zu reflektieren, warum der Tag nicht so gelaufen ist, wie wir uns ihn erhofft hatten. Wir sehen aber den Tag nicht als Niederlage. Es gab unserem Wissen nach keine Festnahmen. Die Nachrichten über die Aktionen und Demonstrationen die trotz des Bullenaufgebots passiert sind, haben uns sehr gefreut. Sie können uns nicht an jedem Ort und zu jeder Zeit aufhalten.

Zum Start die Frage, warum öffentlich zu einer Demonstration aufgerufen wurde:
Uns ist bewusst, dass die damaligen Corona-Regeln Demonstrationen verboten haben bzw. stark einschränkten (Wir finden solch eine Demo mit Masken und draußen hygienetechnisch verantwortbar). Es gab diesen Winter verschiedene Versuche damit umzugehen und Demonstrationen trotzdem zu ermöglichen. Versuche zu laufen nach angemeldeten Kundgebungen endeten in Polizeigewalt und Repression, Versuche nicht öffentlich zu mobilisieren haben kraftvolle Spontis ermöglicht, die aber der Reichweite an Menschen, denen wir die Möglichkeit zur Teilnahme geben wollen, eine klare Grenze aufzwingt. Unser Ziel im Vorhinein war es, durch die Größe der Demo das Laufen erzwingen zu können. Vor Ort waren tatsächlich zu wenig Menschen, um das so umzusetzen. Letztes Jahr waren auf Demos nach Räumungen über 500 Menschen. Warum diesmal nur 200 kamen hat sicherlich mehrere Faktoren. Der lange Tag der Besetzung und Räumung lag den Menschen in den Knochen. Zudem gab es eine große wichtige Demo in Connewitz am Nachmittag bzw. ein danach stattfindendes Straßenfest. Als wir sahen, dass wir nur einige hundert Menschen werden, haben wir versucht das Kräfteverhältnis durch einen dynamischen Start auszugleichen. Dabei hatten wir tatsächlich bestimmte Aufstellungen der Cops (die über „sie stehen in jeder Straße mit 20 Wannen“ hinaus gingen) nicht im Blick. Vermutlich war einfach jeder Weg durch die Cops abgeriegelt. Im Nachhinein wäre ein Aufzug mit so wenig Menschen wahrscheinlich eher ins offene Messer gelaufen. Wir haben uns dann entschieden, das ganze nach 20 Metern abzubrechen. Die Cops haben das Transpi, sowie die Böller und paar Flaschen die wir gehört haben sicherlich auch wahrgenommen und fühlen sich hoffentlich gehasst. Hier gab es dann Möglichkeiten auf dezentrale Aktionen, was anscheinend auch passiert ist. Wir haben in der Presse von mindestens 3 Sachen gehört.

Warum der Ort?
Wir sehen den Startpunkt immernoch als richtig an. Es gab viele dunkle Ecken, aber trotzdem war es offen genug, um nicht gekesselt werden zu können. Die Cops haben keine Erfahrung in dem Viertel. Das hat man daran gesehen, wie viele teils chaotisch angeordnete Wannen abstellt waren,  was weniger nach Plan als nach Einschüchterungsversuch aussah. Wir halten es für wichtig das solche Tag-X Demos auch durch die Viertel laufen, die eine Verbindung zur geräumten Besetzung haben. Über die Demo in Connewitz haben wir uns trotzdem gefreut. Hier wurde genutzt, dass die Bullen andere Gebiete im Fokus hatten.

Es kam dazu dass Einzelpersonen anfingen selbst zu Treffpunkten aufzurufen und diese auf der Demo weiterzusagen. An sich ist es toll, dass Menschen Eigeninitiative entwickeln. Wir würden uns aber in Zukunft darüber freuen, wenn dies uns oder anderen vorbereiteten Gruppen überlassen wird. Solch hektisches, unsensibles organisieren von Leuten sorgt nur dafür, dass die Cops das mitkriegen und Menschen beim nächsten Treffpunkt wieder in einen Kessel laufen. Solche unüberlegten Ansagen ohne konkreten Plan dahinter machen Vorbereitung anderer kaputt. Wir sind bemüht dass wir diese beim nächsten Mal klarer kommunizieren.

Dazu noch was an Jornalist_innen:
Wir finden es gut wenn fair von öffentlichen Aktionen berichtet wird. Das Veröffentlichen von geheimen Treffpunkten und das Filmen sowie Fotografieren von Menschen geht jedoch gar nicht und spielt in erster Line den Repressionsbehörden in die Hände. Demoteilnehmer*innen werden dadurch gefährdet und Aktionen verunmöglicht. Das ist unprofessionelles Arbeiten und lässt Vertrauen erlöschen.

Warum dieser Text?
Wir finden es wichtig unsere Reflektionsprozesse und Entscheidungsfindung transparent zu machen. Einerseits werden Dinge, die nicht klappten dadurch einfacher zu bewerten und Entscheidungen die unlogisch wirkten, haben vielleicht doch Gründe. Es ist wichtig Demonstrationen und andere kollektive Momente auszuwerten. Die Polizei macht dies eh schon und wir können als Bewegung dazu lernen. Wir haben Lust, auch weiterhin uns die Straße zu nehmen und unsere Wut über Räumungen, den Wohnungsmarkt und das kapitalistische System zu äußern. Wir wollen bestärkt aus unseren kollektiven Aktionen rausgehen und nicht Ohnmacht spüren. Dafür ist es wichtig, dass wir miteinander darüber reden, warum Sachen liefen wie sie liefen und wie wir sie nächstes Mal besser machen können.  Unsere Mail ist für (verschlüsselte) Kritik offen.

Wir freuen uns schon aufs nächste Mal, wenn wir uns während des Sommers der Besetzungen die Häuser und die Straße nehmen!

Pressemitteilung zur Räumung der Tiefen Straße 3 in Leipzig am 11.06.2021

LeipzigBesetzen, 12.06.2021: Tiefe Straße 3 nach sieben Stunden geräumt

Nach sieben Stunden Besetzung wurde die Tiefe Straße 3 gestern Abend am 11.06.2021 durch die Polizei geräumt. Zwei Besetzer*innen wurden von der Polizei mitgenommen. Die Solidaritätskundgebungen liefen den gesamten Abend und auch nach der Räumung saß die Nachbar*innenschaft noch auf der Straße zusammen.

Das Haus in der Tiefen Straße 3, welches 20 Jahre leer stand, wurde am 11.06.2021 ab 15:45 Uhr durch LeipzigBesetzen besetzt gehalten. Nachdem um 21 Uhr der Einsatz begonnen wurde, endete die Räumung um 23:00 Uhr mit der Abführung von zwei Besetzer*innen durch die Polizei. Als die Besetzung um 15:45 Uhr begann, wurde eine Versammlung in Unterstützung mit der Aktion vor dem Haus angemeldet. Auf dieser waren unter anderem Redebeiträge zu hören, eine Küche für Alle (Küfa) wurde veranstaltet und eine sich spontan solidarisch zeigende Band ist aufgetreten. Punkt 21:00 Uhr begann jedoch die Polizei trotz noch angemeldeter Kundgebung die versammelten Menschen, inklusive Band, zu drangsalieren. Die Polizei versuchte sich ungefragt und zum Teil mit Werkzeug Zugang zu Hinterhöfen zu verschaffen, filmte ohne Anlass die Menge, schickte Beobachtende weg und blockierte zeitweise die Cichoriusstraße. Im Kontrast dazu, sollte der Verkehr auf der Zweinaundorfer Straße weiterlaufen, wodurch eine Gefährdung von Versammlungsteilnehmer*innen von durchrasenden Autos in Kauf genommen wurde. Eine weitere Absurdität war, dass die Beamt*innen einen Zaun im Hinterhof, der sie zu stören schien, kurzerhand mit Hilfe der Feuerwehr durchflexten. Währenddessen kam es durch die anwesenden Nachbar*innen zu lautstarkem Widerstand, es gab eine Blockade der Zweinaundorfer Straße, Musik wurde gespielt und das Handeln der Polizei nicht unkommentiert stehen gelassen. Besonders schön waren die Vielzahl von solidarischen Menschen, die im Hinterhof das Geschehen kritisch beobachteten, Sprechchöre anstimmten und somit den in einer Maßnahme befindlichen Besetzer*innen sowohl Mut als auch Sicherheit vor möglichen Übergriffen durch die Polizei gegeben haben. LeipzigBesetzen bedankt sich bei allen Unterstützer*innen.

 

Wir sind enttäuscht, aber nicht überrascht über das Vorgehen der Immobilienfirma Immovaria GmbH, welche ihren Sitz in Nürnberg hat und Eigentümerin des Gebäudes ist. Sie hätte die Chance gehabt, mit uns in einen Dialog zu gehen und das von uns erarbeitete Nutzungskonzept sowie die Vorschläge der ansässigen Nachbar*innen anzuhören und in die Realität umzusetzen. Sie hätte ebenfalls von der Linie der Wohnraumspekulation und des bewussten Verfallenlassens von Leerstand abzuweichen. Aber das taten sie nicht: stattdessen stellten sie sofort den Räumungstitel aus und sorgten dafür, dass die Staatsmacht diesen durchsetzte. Unser Gesprächsangebot an Immovaria wurde nicht wahrgenommen. Stattdessen tilgte Immovaria von ihrer Website noch vor Räumungsbeginn das sogenannte Projekt „T3“ von ihrer Website, dessen Ansichts- und Lageskizze sehr deutlich auf die Tiefe Straße 3 schließen lässt.

„Für ein paar Stunden konnten wir ansatzweise den Austausch und die Nachbarschaftsvernetzung wieder aufleben lassen, welche sich bereits letzten August/September durch die Ludwigstraße 71 in Leipzig Neustadt-Neuschönefeld gebildet hatte. Die frühzeitige Räumung der Tiefe hat dies leider verhindert. Stattdessen bleibt bei uns Trauer und Wut, aber auch der Mut, uns weiter gegen kapitalistische Zustände zu wehren.“, sagt Kaja von LeipzigBesetzen und fügt hinzu: „Wir sind froh, dass unsere Genoss*innen bei der Räumung nicht verletzt wurden.“ Wir von LeipzigBesetzen stellen uns entschieden gegen Mietprofite, Privateigentum und Abhängigkeit von Mietverhältnissen und kämpfen stattdessen weiterhin für die Kollektivierung von Wohnraum!

Heute Abend um 22:00 Uhr wird es die Chance für die Nachbarschaft geben, ihre Wut über die Polizei, die Immovaria und den kapitalistischen Wohnungsmarkt auf einer Demonstration zum Ausdruck zu bringen.

Nutzungskonzept für die Tiefe Straße 3

Das am 11.06.2021 besetzte Haus in der Tiefen Str. 3 steht nun schon jahrzehntelang leer; wir möchten es nun zum Wohnen nutzen und ihm neues Leben einhauchen. Denn auch in Leipzig wird der bezahlbare Wohnraum knapp. Daran ändern auch die derzeitigen Inhaber*innen nichts. Denn sie möchten Häuser hochwertig sanieren und sie mit allen möglichen teuren Dingen ausstatten, die sich die Menschen, die jetzt hier wohnen nicht leisten können. Damit wird ein Trend fortgesetzt, welcher sich bei der alten Karl Krause Fabrik in der Theodor-Neubauer-Straße, nur unweit von hier, bereits etabliert hat. Wir möchten mit der Besetzung verdeutlichen, dass wir eben gegen diese hohen Mieten und deren Profite sind und Wohnraum kollektivieren wollen. Mit dem Haus in der Tiefen Straße 3 soll genau das passieren. Im Folgenden beschreiben wir erste Vorschläge  für die Nutzung:

Das Haus hat vier Etagen und besitzt einen Keller. Außerdem befindet sich ein kleiner Garten auf der Rückseite des Hauses. In der Umgebung lassen sich Einkaufsmöglichkeiten, Spätshops, alternative Cafés und Bars sowie Bibliotheken, Fahrradwerkstätten und eine sehr nahe gelegene Bus- und Bahnhaltestelle finden. Im Keller sind Proberäume für Musikgruppen vorstellbar. Durch die dicken Mauern im Keller werden auch keine Nachbar*innen gestört.

Im Erdgeschoss könnte sich eine kleine Projektwerkstatt etablieren. Das heißt, es gibt Multifunktionsräume, welche sich einerseits zum Lagern anbieten könnten. Andereseits könnten sie aber auch zum Abhalten von Sitzungen, Gestalten von künstlerischen Werken oder als Anlaufstelle für neu Zugezogene dienen, wo es u.a. allerlei Informationen geben soll (von Dolmetscher*innen, über Beiträge von politischen Gruppen bis hin zu öffentlichen Toiletten).

Die anderen Stockwerke können zum Wohnen dienen. Dabei ist vorstellbar, dass eine Wohnung oder Etage für Menschen in prekären Situationen zur Verfügung steht. Das könnten z.B. Menschen sein, die häusliche Gewalt erlebt haben oder nirgendwo sonst eine Wohnung finden können.

Der Garten könnte als Gemeinschaftsgarten gestaltet werden, welcher dann nicht nur von den Bewohner*innen des Hauses genutzt werden kann, sondern auch von anderen Menschen. Durch Hochbeete kann ein Angebot für alle geschaffen werden und es kann ein Austauschort entstehen.

Verwaltungsmöglichkeiten

Wir sehen das Haus als hierarchiefreien und solidarischen Raum, dessen Nutzung und Verwaltung selbstverwaltet und in freier Trägerschaft stattfindet. Eine unkommerzielle Raumnutzung ist eingeschlossen.

Unser Plan für die Zukunft

Sofern alle rechtlichen Angelegenheiten geklärt sind, werden wir uns um das Haus kümmern. Uns ist bewusst, dass die Eigentümer*innen viel Arbeit und Innovation in die korrekte Aufarbeitung des denkmalgeschützen Hauses gesteckt haben. Allerdings sind die Gewinne dieser Firma der letzten Jahre nicht zu knapp ausgefallen. Und wie das Unternehmen selbst schon festgestellt hat, hat es über 100 Wohneinheiten in der Hand. Diese sind teuer und passen zumindest nicht in dieses Stadtviertel. Die Bausubstanz wird geprüft und auftretende Mängel beseitigt, um Sicherheit herzustellen. Wir setzen dabei vor allem auf solidarische, ehrenamtliche Hilfe, aber auch Fachpersonal. Die Beteiligung aller Menschen ist uns wichtig.

Wir begreifen uns und das Haus als offenes Projekt, in dem soziale Kontakte gepflegt, Neues gelernt und sich untereinander geholfen werden kann. Ein emanzipatorischer, solidarischer Ansatz für alle Menschen, insbesondere für diese aus der Nachbarschaft, ist das Ziel.

Wir sind in jedem Fall zu Verhandlungen bereit und würden uns freuen, Sie an der Tiefen Straße 3 begrüßen zu dürfen.

Grüße aus der Tiefe,

LeipzigBesetzen

Pressemitteilung: Haus in der Tiefe Straße 3 besetzt

Heute, am 11. Juni 2021, haben wir das Haus in der Tiefe Straße 3 in Leipzig Anger-Crottendorf besetzt. Die Besetzung soll auf die Missstände der Wohnungspolitik aufmerksam machen und ein konstruktiver Gegenvorschlag sein. Das Objekt selbst soll zu kollektiviertem Wohn- und Kulturrraum werden. Wir sind ausdrücklich offen für Verhandlungen. 
“Während Gentrifizierungsprozesse die Mieten immer weiter steigen lassen, Menschen aus ihren Kiezen an den Stadtrand verdrängt werden und saubere Hausfassaden wichtiger zu sein scheinen als schimmelfreie Wände, stehen Wohnhäuser, wie das von uns besetzte Gebäude, jahrelang als Spekulationsobjekte leer. Bis sie schließlich luxussaniert und die Wohneinheiten für Unsummen vermietet werden.“, erläutert Aaron von LeipzigBesetzen. Zwischen 2013 und 2020 ist die durchschnittliche Gesamtmiete in Leipzig um 13,5 % gestiegen. Der Anstieg bei den Angebotsmieten, also den Mieten für vergleichbare verfügbare Mietobjekte, betrug sogar 30,6 %.[1] Mit durchschnittlich 37 % geben die Menschen in Leipzig mehr als ein Drittel ihres Nettoeinkommens für Miete aus. Gleichzeitig sind die Nettoeinkommen in der Stadt bundesweit mit am geringsten.[2] Doch auch ohne Statistik ist offensichtlich, dass Viertel wie Connewitz, die Eisenbahnstraße, Reudnitz oder Anger-Crottendorf vor ein paar Jahren noch ganz anders ausgesehen haben. Alle können dem rasanten Verschwinden von Freiräumen, Grünflächen und Wohnhäusern zusehen und beobachten, wie an ihrer statt anonyme, blankgeputzte, teure “Wohn”-Gebäude auftauchen.
Die Entwicklung der Stadt wird aktuell nicht von den in ihr lebenden Menschen gestaltet, sondern von den kapitalistischen Zuständen des Wohnungsmarktes. Wohnraum darf jedoch keine Spekulations- und Geldanlage darstellen. 
“Wieso sollten Menschen für ihr Grundrecht auf ein Dach über dem Kopf bezahlen müssen? Wir stellen uns gegen Mietprofite! Profite, d.h. Gewinn bzw. Überschuss, auf Kosten anderer Menschen zu machen, hat in einer Gesellschaft, in der wir leben wollen, keinen Platz.”, so Aaron von LeipzigBesetzen. Das Eigentum von Mietshäusern muss abgeschafft werden, sonst sind Mieter*innen weiterhin der Willkür der Eigentümer*innen ausgeliefert. Stattdessen wollen wir, von LeipzigBesetzen, dass Wohnraum kollektiviert wird. Er soll also keiner*m Vermieter*in gehören und auch nicht dem Staat, sondern gemeinsamer Besitz aller Menschen sein, die in einem Haus wohnen. Wohnraum ist etwas, das zusammen entsteht und wächst. Wir verstehen lebenswerte Städte als einen Prozess, der von der Gemeinschaft gestaltet wird. Wir sind überzeugt, dass wir nicht die einzigen sind, die sich für diese Dinge – also Verdrängung, Mietensteigerung, Wohnungsmangel und Co – interessieren! Deshalb rufen wir am Samstag, den 12.06.2021 ab 16 Uhr im Lene-Voigt-Park zu einer ersten Nachbar*innenversammlung auf, um mit den Anwohner*innen sowie Interessierten darüber zu sprechen, wie ein Nachbarschaftsprojekt und ein gemeinschaftliches Zusammenleben aussehen kann. 
Für Presseanfragen sind wir telefonisch unter  +4915759431830 oder per Mail an leipzigbesetzen@riseup.net erreichbar.
Grüße aus der Tiefe
LeipzigBesetzen

Das Problem heißt Gentrifizierung – Scheinbesetzungen zum 10.5.2021

Wie viele Häuser, die ihr kennt, sind blitzeblanken, weißen, unpersönlichen Neubauten gewichen? Wo sind die Partys in illegalen Kellern, die selbstverwalteten Kunstwerkstätten und die Open Airs, die angeblich Leipzigs Kulturleben ausmachen? Wie viele Kneipen haben in den letzten 4 Jahren zugemacht? Wo sind die Grünstreifen hin, auf denen ihr so gerne rumspaziert seid, wo ihr “frische Luft” mitten in der Stadt gespürt habt? Wo schlafen derzeit die Menschen, die keine feste Wohnung haben, wo kommen sie unter?

Diese Beispiele machen deutlich, wie in den letzten Jahren die Gentrifizierung in Leipzig gewütet hat. Gentrifizierung heißt, dass Wohnungen in besonders beliebten Wohnvierteln immer teurer werden und diejenigen, die das nicht bezahlen können, wegziehen müssen. Das heißt auch, dass die ursprünglichen Bewohner*innen ihr langjähriges Zuhause verlieren und dann oft an den Rand der Stadt gedrängt werden. Also weit weg von ihrem Kiez, ihren Freund*innen und dem gewohnten Umfeld. Das ist ein Problem vieler Großstädte. Leipzig verkommt zusätzlich durch die Luxus-Sanierungen und der Schließung von kleinen, selbstverwalteten Freiäumen zu einem sterilen Raum. Wirtschaftlich Schwächere werden verdrängt. Kultur können nur noch diejenigen genießen, die sich die immer teurer werdenden Mieten leisten können. Bestehende kulturelle Angebote, wie Bars, Clubs, selbstverwaltete Projekte, Kunstwerkstätten, Theater usw. geraten ständig in Bedrängnis. Mit der Vertragsänderung gehen steigende Mieten einher. Nach Ende eines Mietvertrags werden die Räumlichkeiten oft abgerissen, nur, um dafür neue, unfassbar viel teurere Luxuswohnungen entstehen zu lassen. Das ist in Leipzig leider schon bittere Realität. In den letzten Jahren mussten beispielsweise das So&So und die E109 weichen, Spätis und Wagenplätze mussten umziehen, das Black Triangle wurde geräumt. Orte, so verschieden wie das Café NuR, die Ostapotheke oder die Brache sind beständig vom Ende bedroht. Orte, für die es bereits Nutzungskonzepte gibt – etwa die Ostwache – mussten jahrelang darauf warten, von der Stadt eine Genehmigung zu erhalten, die Gebäude überhaupt betreten zu können. Um nur ganz wenige von vielen Beispielen zu nennen. Besser ist es durch die Pandemie-Bedingungen jedenfalls nicht geworden; etliche Kulturorte (und Privatpersonen) kämpfen seit dem mit aller Kraft darum, ihre Mieten zusammenzubekommen.

Zwischen 2013 und 2020 ist die durchschnittliche Gesamtmiete in Leipzig um 13,5 % gestiegen. Der Anstieg bei den Angebotsmieten, also den Mieten für vergleichbare verfügbare Mietobjekte, betrug sogar 30,6 %![1] Mit durchschnittlich 37 % geben die Menschen in Leipzig mehr als ein Drittel ihres Nettoeinkommens für Miete aus. Gleichzeitig sind die Nettoeinkommen in der Stadt bundesweit mit am geringsten. Haltlose Mieterhöhungen, unerklärlich hohe Nebenkostenabrechnungen, baufällige Infrastruktur oder das komplette Durchleuchten zukünftiger Mieter*innen (Bürgschaft, Pass, drei Kontoauszüge, Schufa-Auskunft usw.) sind an der Tagesordnung. Vermieter*innen weisen jede Person ab, die besagte Durchleuchtung nicht bestehen oder strukturell benachteiligt sind. Wir sprechen hier von großen Familien, Menschen mit mehreren schlecht bezahlten Jobs oder Menschen, welche Hartz IV/ALG II beziehen. Und das auch zu Zeiten von Corona. Die Willkür der Vermieter*innen, also der Missbrauch der Monopolstellung ihres Eigentums, basiert auch auf Rassismus. Menschen, deren Nachname nicht “deutsch” klingt, die nicht gut Deutsch sprechen, die nur begrenzte Aufenthaltsgenehmigungen haben oder ganz einfach nicht weiß sind, bekommen viele Steine in den Weg zu einer Wohnung gelegt. Genau so schwierig ist es, eine passende Wohnung zu finden, wenn Menschen auf Fahrstühle, barrierearme Bäder oder stufenlose Böden angewiesen sind. Barrierefreier Wohnraum ist eine absolute Seltenheit.

Die Entwicklung der Stadt wird aktuell nicht von den in ihr lebenden Menschen gestaltet, sondern von den kapitalistischen Zuständen des Wohnungsmarktes. Die Eigentümer*innen der Immobilien können mit ihrem heiligen Eigentum machen, was sie wollen und niemand stört sie dabei. Die einzige Begründung: Es würde ihnen schließlich gehören, sie haben es ja gekauft. Dass dabei aber Subkulturen kaputt gemacht werden, die erst dafür gesorgt haben, dass ein “Investment” sich lohnt, ist anscheinend egal. Diese Subkulturen sind es doch, die Viertel lebendig machen. In ihnen wird gemeinsam gelebt und es entstehen Räume, die für außenstehende Menschen attraktiv sind. Als wohl unschönster Nebeneffekt führt die Tatsache, dass einige Leute den Wohnraum anderer Menschen besitzen, dazu, dass jede*r für sein*ihr Grundrecht auf Wohnen bezahlen muss! Wieso solltet ihr dafür bezahlen müssen, ein zu Hause zu haben, in dem ihr euch aufhalten dürft? Sollten Menschenrechte wirklich käuflich sein?
Wohnraum darf keine Spekulations- und Geldanlage darstellen! Sich ein Mietobjekt für die Altersvorsorge zu kaufen, können vermutlich sowieso nur Menschen, welche ohnehin schon ausgesorgt haben. 
Deshalb stellen wir uns gegen Mietprofite! Das Eigentum von Mietshäusern muss abgeschafft werden! Sonst sind Mieter*innen weiter der Willkür der Eigentümer*innen ausgeliefert. Profite auf Kosten anderer Menschen zu machen, hat in einer Gesellschaft, in der wir leben wollen, keinen Platz! Wohnraum ist etwas, das zusammen entsteht und wächst. Wir verstehen lebenswerte Städte als einen Prozess, der von der Gemeinschaft gestaltet wird. Das lassen wir uns nicht von Kapital und Markt kaputt machen! Wohnraum gemeinsam zu gestalten, heißt für uns auch, ihn zu kollektivieren und ihn miteinander aufzubauen.

Um ein Zeichen gegen besagte Wohnraumpolitik zu setzen und stattdessen kollektive Formen des Wohnens einzufordern, haben wir in der Nacht zum 10. Mai 2021 zwei Häuser scheinbesetzt – die Ludwigstraße 12 (Eisi-Kiez) und die Dimpfelstraße 50 (Schönefeld). Außerdem ein Banner vor dem Luxus-Neubau auf der Wolfgang-Heinze-Straße gegenüber des LazyDogs gedroppt, welches Bilder einer Gated Community in den Kopf ruft. Denn nicht nur Leerstand an sich ist Teil des Problems, sondern auch das, was mit ihm bzw. unbebauten Grundstücken leider viel zu oft passiert.  

Die Häuser denen, die sie brauchen und denen, die drin wohnen!
Gegen Mietprofite – Wohnraum kollektivieren!
#Leipzigbesetzen

Sommer der Besetzungen – Ein Aufruf von LeipzigBesetzen

+++english version below+++

Vergangenes Jahr wurden in Leipzig die Ludwigstraße 71 und die Bornaische Straße 34 besetzt sowie mehrere Häuser scheinbesetzt unter anderem ein Haus in der Neustädter Straße, mehrere Häuser im Westen Leipzigs und die Bornaische Straße 68. Wir haben mit der direkten Aktion Widerstand gegen die herrschende Wohnungspolitik geleistet. Es wurde im Fall der Luwi71, wenn auch nur kurzfristig, ein unkommerzieller Raum geschaffen. Unsere Besetzung hat eine breite Öffentlichkeit erreicht und war für viele Tage Gesprächsthema in unseren Kiezen und der Presse. Viele Menschen haben durch ihren Support und ihre Aktionen ihre Wut auf die Miet-Zustände in Leipzig auf die Straße gebracht. Auch die Polizei hat durch Räumungen und Großeinsätze gezeigt, für wen sie arbeiten: nicht für die Menschen, sondern für das Gesetz und das Kapital in Form der Durchsetzung der Interessen der Eigentümer*innen.

Wir haben gesehen, dass linke Politik auch im Jahr 2020 selbstbewusst und handlungsfähig sein konnte. Wir haben gesehen, dass durch all diese Handlungen der öffentliche Diskurs maßgeblich beeinflusst werden konnte. Außerdem hat sich gezeigt, dass viele Menschen in Leipzig Aktionen unterstützten, tage- und nächtelang aus Solidarität vor der Luwi71 kampierten, eigene Besetzungen organisierten, auf den Tag X Demos aktiv waren oder sich einfach nur klammheimlich freuten. Hausbesetzungen sind also auch in der heutigen Zeit ein effektives politisches Mittel, um gegen den Mietenwahnsinn und Gentrifizierung zu protestieren – auch in Leipzig. Außerdem: wie sonst soll man damit umgehen, dass Monat für Monat immer mehr subkulturelle Zentren Stress bekommen, dicht machen oder geräumt werden, wie im Fall der Berliner Meuterei, der Liebig34 oder der Rigaer94?

Aber in zahlreichen Städten, wie Dresden, Weimar, Berlin, Essen und Bremen, ist es im Laufe des letzten Jahres zu neuen Besetzungen gekommen. Wir finden das ziemlich klasse!

Deshalb: bringt euch ein in den Sommer der Besetzungen! Wir selbst wollen neue Aktionen starten und die Erfolge der Luwi71 ausbauen. Wir wollen euch einladen, es den Immobilienhaien schwierig zu machen, in Leipzig weiter Spekulation, Miet-Abzocke sowie den Neubau von Eigentumswohnungen und Luxussanierungen zu betreiben. Lasst uns gemeinsam eine Stadt für alle und solidarische Kieze durch direkte Aktionen durchsetzen!

LeipzigBesetzen versteht sich als Plattform für alle Gruppen in Leipzig, welche Aktionen gegen den Mietenwahnsinn, Wohnungsleerstand usw. durchführen wollen. Gerne stellen wir euch auch unsere Reichweite in Form unseres Twitter-Accounts und Presseverteilers zur Verfügung. Natürlich müsst Ihr in diesem Kontext nicht in unserer Gruppe aktiv werden – gründet Eure eigenen und führt Eure eigenen Aktionen durch! Wir supporten dabei gerne. Dieser Sommer soll geprägt davon sein, dass durch dezentrale und koordinierte Aktionen auf die gentrifizierte Wohn- und Lebenssituation in unseren Kiezen aufmerksam gemacht wird und neue Freiräume erstritten werden! Nun noch kurz ein paar Zeilen zu Repressionen und Besetzungen. Rechtlich betrachtet begeht mensch eine Straftat: die des Hausfriedensbruches. Dieser wird in der Regel mit Geldstrafen/Sozialstunden geahnded und häufiger noch: das Verfahren wird eingestellt. Noch effektiver ist es natürlich, wenn man sich von den Cops nicht erwischen lässt 😉 Wir rufen hier natürlich niemanden dazu auf, Straftaten zu begehen, finden Besetzungen jedoch extrem charmant.

Abschließend haben wir euch ein kurzes How-To: Hausbesetzung vorbereitet. Diese beinhalten unserer Einschätzung nach die wichtigsten Punkte, die es zu beachten gilt. Desweiteren haben wir euch einen umfangreicheren Reader von Genoss*innen aus Berlin verlinkt.
Falls Ihr Kontakt zu uns aufnehmen wollt, dann könnt Ihr uns unter leipzigbesetzen@riseup.net schreiben. Unseren pgp-key findet Ihr auf unserem Blog (www.leipzigbesetzen.noblogs.org) bzw. erhaltet Ihr ihn auf Anfrage per Mail.

How-To: Haus besetzen in 10 Schritten

1. Freund*innen, Genoss*innen, Arbeitskolleg*innen und Mitschüler*innen ansprechen; Vernetzung starten/organisieren.
2. Durch die Straßen gehen und (ein) leerstehendes Haus aussuchen.
3. Das infrage kommende Haus besichtigen (marodes Dach/Treppenhaus, Schimmel/feuchte Stellen, sanitäre Anlagen, Elektrizität,) und schauen, dass keine anderen Menschen darin leben.
4. Einen Termin für die Besetzung aussuchen.
5. Transpis malen, evtl. Texte und Pressemitteilungen vorbereiten, dafür sorgen, dass am Tag der Besetzung eine breite Öffentlichkeit dahinter steht/davon mitbekommt, sodass diese supporten kann.
6. Online oder in kleinen Läden bereits registrierte Sim-Karten und billige Handys, um kommunizieren zu können, sowie eventuell eine Kamera besorgen, um Fortschritte im und um das Haus zu dokumentieren.
7. Schlafzeug, Hygienebedarf, Erste-Hilfe-Zeug, Kerzen, Werkzeug (Säge, Hammer, Schraubendreher), gegebenenfalls Verbarrikadierungsmaterial (Nägel, Schrauben, Holzplatten, Gitter) und ein bisschen Essen sowie Wasser sollten im Haus nicht fehlen.
8. Haus betreten, verbarrikadieren, für Sichtschutz und Vermummungsmaterial sorgen, die Transpis raushängen und die Besetzung öffentlich machen!
9. Auf Unterstützung warten, sich über Support freuen und wie er den Cops das Leben schwer macht. Versuchen, das Haus zu halten!
10. Ein neuer Freiraum ist entstanden.

Besetzt-Mal-Reader: https://besetzen.noblogs.org/files/2019/01/besetzmalreader.pdf

Bringt euch ein in den Sommer der Besetzungen! Organisiert euch! Startet Aktionen, informiert Nachbar*innen über die Wohnungssituation, werdet (gemeinsam) aktiv,…! Nehmen wir uns das, was uns zusteht! 

Solidarische Grüße,

LeipzigBesetzen

 

+++english version+++

Summer of Occupations – An appeal by LeipzigBesetzen

Last year in Leipzig, Ludwigstraße 71 and Bornaische Straße 34 were squatted and several houses were sham squatted – including a house in Neustädter Straße, several houses in the west of Leipzig and Bornaische Straße 68. We resisted the prevailing housing policy with direct action. An uncommercial space was created in the case of Luwi71, even if only for a short time. Our occupation reached a broad public and was the topic of conversation in our neighbourhoods and the press for many days. Through their support and actions, many people took their anger at the rental conditions in Leipzig to the streets. The police also showed through evictions and large-scale operations who they are working for: not for the people, but for the law and capital in the form of enforcing the interests of the owners.

We have seen that left politics could be self-confident and capable of action in 2020. We have seen that through all these actions the public discourse could be significantly influenced. We also saw that many people in Leipzig supported actions, camped out for days and nights in solidarity in front of the Luwi71, organised their own squats, were active on the Day X demonstration or were simply secretly happy. Squatting is therefore an effective political means of protesting against rent madness and gentrification – also in Leipzig. Besides, how else are we supposed to deal with the fact that month after month more and more subcultural centres get stressed, close down or are evicted, as in the case of the Berlin Meuterei, the Liebig34 or the Rigaer94?

But in many cities, like Dresden, Weimar, Berlin, Essen and Bremen, there have been new squats over the last year. We think that’s pretty great!
Therefore: get involved in the summer of occupations! We ourselves want to start new actions and build on the successes of Luwi71. We want to invite you to make it difficult for the real estate companies to continue speculating, ripping off rents and building new houses and luxury renovations in Leipzig. Let’s work together for a city for all and solidary neighbourhoods through direct action!

LeipzigBesetzen sees itself as a platform for all groups in Leipzig who want to carry out actions against rent madness, empty flats, etc. We are happy to make our reach available to you in the form of our Twitter account and press distribution list. Of course, you don’t have to become active in our group in this context – set up your own and carry out your own actions! We are happy to support you. This summer should be marked by decentralised and coordinated actions to draw attention to the gentrified housing and living situation in our neighbourhoods and to fight for new free spaces! Now a few lines about repression and occupations. From a legal point of view, people are committing a criminal offence: trespassing. This is usually avenged with fines/social hours and more often: the case is dropped. Of course, it’s even more effective if you don’t get caught by the cops 😉 Of course, we are not calling on anyone to commit crimes here, but we do find occupations extremely charming.

Finally, we have prepared a short “How-To: Squatting” for you. In our opinion, these contain the most important points that need to be considered. Furthermore, we have linked you to a more comprehensive reader by comrades from Berlin.
If you want to get in touch with us, you can write to us at leipzigbesetzen@riseup.net. You can find our pgp-key on our blog (www.leipzigbesetzen.noblogs.org) or you can get it on request by mail.

How-to: Occupy a house in 10 steps
1. contact friends, comrades, colleagues and classmates; start organising/networking.
2. go through the streets and find an empty house.
3. inspect the house (dilapidated roof/staircase, mould/damp spots, sanitary facilities, electricity, …) and make sure that no other people are living in it.
4. choose a date for the occupation.
5. paint banners, possibly prepare texts and press releases, make sure that on the day of the occupation a broad public is behind it/notices it so that they can support it.
6. get sim cards already registered online or in small shops and cheap mobile phones to be able to communicate, and possibly a camera to document progress in and around the house.
7. sleeping gear, hygiene supplies, first aid supplies, candles, tools (saw, hammer, screwdriver), barricading materials (nails, screws, wooden boards, grids) if necessary and some food and water should not be missing in the house.
8. enter the house, barricade it, make sure there is screen and masking material, hang out the banners and make the occupation public!
9. wait for support, be happy about support and watch how it makes life difficult for the cops. Try to hold the house!
10. a new free space has been created.

Get involved in the summer of occupations! Get organised! Start actions, inform your neighbours about the housing situation, get active (together),…! Let’s take what is rightfully ours! 

Greetings of solidarity,
LeipzigBesetzen

 

Neues Jahr, neue Besetzungen!

Zumindest haben wir die Mariannenstraße 68 für alle Menschen in der Silvesternacht geöffnet.
Gerade in Pandemiezeiten, in denen Menschen mit “stay at home” und “bleib gesund” dazu aufgerufen werden, sich und andere zu schützen,  brauchen wir alle ein sicheres zu Hause. Aber nicht mal alle Menschen haben ein Dach über dem Kopf, geschweige denn einen Ort, welchen sie zu Hause nennen können. Auch wenn wir den Blick einmal weiten und über die Grenzen schauen, sehen wir Geflüchtetenlager, die unter Wasser stehen, im Schnee versinken und deren Zelte von Wind und Kälte zerfressen sind. Wir haben Platz – und das nicht nur in Leipzig.
Wir fordern, dass Leerstand zu bezahlbaren Wohnraum wird und nicht weiter als Spekulationsobjekte dienen und den Reichtum einzelner vergrößert.
Wir haben auch in diesem Jahr vor, die leeren Häuser der Stadt sichtbar zu machen, Wohnraum zu schaffen und instand zu setzen. Und wir hoffen, dass ihr alle wieder mit uns kämpft! Bis bald, Leipzig besetzen.

Gewalt ist Teil des Problems – und das Problem hat System

Am vergangenen Donnerstag ist es zunächst rund um die Eisenbahnstraße und die Tage darauf in Connewitz zu Auseinandersetzungen mit der Polizei gekommen. Die Ereignisse von Donnerstag stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Tag X+1-Demo infolge der Luwi71-Räumung. Die anschließenden Kämpfe in Connewitz verstehen wir auch als solidarische Reaktion auf eben jene und weitere Besetzungen. Daher möchten wir ein paar Zeilen zur Debatte um sogenannte politisch motivierte Gewalt in Leipzig beitragen. 
Wir haben als direkte Aktion eineinhalb Wochen lang das Haus in der Ludwigstraße 71 friedlich besetzt.¹ Innerhalb weniger Tage wurde die Luwi71 zu einem Treffpunkt in der Nachbar*innenschaft. Diskussionen um Wohnraum und selbstverwaltete Freiräume wurden über verschiedene politische Spektren hinweg wieder zum Gesprächsthema. 
Von Beginn an signalisierten wir Stadt und Eigentümer unsere Verhandlungsbereitschaft, wir haben Nutzungsmöglichkeiten erarbeitet und Gespräche angeboten
Es hat uns gefreut, dass Vertreter*innen von Ämtern und Parteien bereit waren mit uns ins Gespräch zu kommen, sich mit unserem Anliegen zu solidarisieren oder ernst gemeinte Kritik zu äußern. 
Im Endeffekt schienen sie aber auch nicht sonderlich viel ausrichten zu können oder hatten es mit der Unterstützung vielleicht doch nicht ganz so ernst gemeint. Gleichzeitig finden wir es bedauerlich, wie schnell sich einige Menschen abwenden, wenn Andere bereit sind Konflikte weiter zu führen, anstatt vor der Androhung von staatlicher Gewalt zu kuschen. 
Der Staat und seine ausführende Gewalt sitzen bei Hausbesetzungen auf kurze oder lange Sicht fast immer am längeren Hebel. Entsprechend ist die Aussage des Eigentümers Udo Heng, er hätte sich erpresst gefühlt, ziemlich absurd.² Spätestens als wir erfuhren, dass dieser nicht mehr für Gespräche bereit sei, mussten wir uns auf eine zeitnahe Räumung einstellen. Von der angeblichen Verhandlungsbereitschaft Hengs erfuhren wir auch nur durch Zeitungsartikel, nie aber durch direkten Kontakt. Bis zum Platzenlassen des Treffens waren alle Gespräche – metaphorisch gesprochen – wie mit der Pistole im Anschlag.
Die Polizei ist in gesellschaftlichen Diskursen niemals Gesprächs- und Verhandlungspartnerin. Die Polizei ist die ständige Absicherung des Staates, der Stadt, der Ämter und der Eigentumsverhältnisse. Und sie wird gerufen, wenn wir uns in Konflikten nicht an die Etikette halten. 
Wir haben es gewagt, das unumstößliche Recht auf Privateigentum und dessen Rolle in Bezug auf Wohnungsnot, steigende Mieten und Verdrängung nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch in Frage zu stellen und bekamen als Antwort Zuckerbrot und Peitsche zu spüren. Einerseits Gesprächsbereitschaft von einzelnen städtischen Akteur*innen – andererseits ständige Räumungsgefahr. Die letztendliche Reaktion darauf war der Überfall 60 Vollvermummter mit Kettensäge und Maschinenpistolen, nachdem der formale Besitzer sein Wohlwollen zurückgezogen hatte. Spätestens wenn die Polizei involviert ist, gibt es keine Gespräche mehr und die Komplexität von Aushandlungsprozessen wird zu einem einfachen Entweder/Oder. Entweder wir lassen uns vom schlagenden Knüppel einschüchtern oder wir nehmen uns die Häuser und Straßen unseres Stadtteils der Repression und Kriminalisierung zum Trotz. 
Der Angriff auf die Luwi71 am Mittwochmorgen war ein Angriff auf einen Teil unserer Nachbarschaft anders als das tagtägliche Racial Profiling, die Zwangsräumungen, Abschiebungen, die Belästigungen von Jugendlichen durch Cops, die Illegalisierung von Lohnarbeitenden ohne Arbeitsvertrag aber genauso ein Angriff. 
Wir verstehen somit, dass Menschen im Viertel Wut und Hass auf Polizist*innen haben. Polizist*innen sind immer die Vollstrecker*innen der herrschenden Ordnung. Konflikten um soziale Fragen und diversen Lebensrealitäten begegnen sie mit Gewalt und Strafe. 
Unter der Annahme, dass Gewalt immer zu Gegengewalt führt, muss sich gefragt werden, welche Gewalt zuerst da war. Der Pflasterstein war es nicht. Wer von all der erwähnten strukturellen Gewalt nicht sprechen will, darf sich über die Wut selbstbewusster Nachbar*innenschaften nicht wundern.
Unsere Solidarität gilt Allen, die im Laufe der letzten Tage festgenommen wurden und die in den kommenden Monaten Strafverfahren ewarten. Zur selben Solidarität rufen wir auch all diejenigen auf, die es mit der Unterstützung für die Luwi71 ernst meinten. Die wenigsten Kämpfe können widerspruchsfrei geführt werden und aufeinander aufzupassen bedeutet manchmal auch, solche Widersprüche aushalten zu können. Wir lassen keine*n allein! 
Für rebellische Kieze und eine Stadt von unten!

Ein erstes Resümee

Die Luwi könnt ihr uns nehmen, unsere Träume nicht
Gestern am 02.09.2020 wurde die Luwi71 geräumt. Gegen sechs Uhr morgens begannen Bullen den Versuch ins Haus einzudringen. Dank stabiler Barrikaden war das mit dem Rammbock nicht möglich. Erst Motorsägen verschafften der Staatsgewalt Zutritt. Nach etwa drei Stunden vermeldete die Polizei das Ende des Einsatzes auf Twitter. Damit stand die Luwi wieder leer und Träume von nicht-kommerziellen Freiräumen sowie günstigem Wohnraum lagen wie die Eingangstür in Trümmern.
Dank solidarischer und wachsamer Anwohner*innen sowie einem eigenen Scout-System, welches Wannenbewegungen im Viertel beobachtete, konnten die Menschen im Haus allesamt rechtzeitig vor der Polizei fliehen. Trotzdem wurden vier Menschen in Hausnähe aufgegriffen und deren Identitäten festgestellt. Drei Personen wurden daraufhin vorläufig auf die Dimitroff-Wache verschleppt. Zwei Menschen aufgrund des Verdachts des Hausfriedensbruchs. Ihnen wird also vorgeworfen Besetzer*innen gewesen zu sein. Die dritte Person wegen eines offenen Haftbefehls, welcher auf ein nicht gezahltes Bußgeld wegen des falschen Anbringens einer Hundesteuermarke zurückzuführen ist. Nachdem das Geld bezahlt wurde, konnte die dritte Person gehen. 
Die anderen beiden konnten gegen halb elf ebenfalls die Wache verlassen, aber laut eigener Aussage nicht, bevor ihnen DNA entnommen und ihnen die Ohren abgemessen wurden. 
Es hat sich gezeigt, dass Profite und Kapital über den Bedürfnissen der Stadtbewohner*innen stehen. Das Privateigentum als höchster Wert dieses Systems hat mal wieder gewonnen. Der Staat schafft es wieder einmal nicht, Wohnraum für alle Menschen zur Verfügung zu stellen. Die Bedürfnisse der Menschen sind in diesem System Nebensache. 
  
Anderthalb Wochen Besetzung und eine ausgestreckte Hand
Am Freitag, den 21.08.2020, besetzten wir die Ludwigstraße 71. Wir haben sofort der Stadt Leipzig, einigen Stadtratsfraktionen und der Presse unser Nutzungskonzept zukommen lassen bzw. um Verhandlungen gebeten. Leider haben zunächst weder die Stadtratsfraktionen noch Ämter der Stadt auf unsere Mail geantwortet. Erst am 22.08.2020 haben wir über einen Artikel der Leipziger Volkszeitung  erfahren, dass der Eigentümer ermittelt wurde und am Mittwoch, den 26.08.2020, nach Leipzig kommen will, „um mit den Aktivisten ins Gespräch zu kommen“ [1]. Wir haben für diese Verhandlung Räume organisiert und Rechtsanwält*innen kontaktiert. 
Am Dienstag, den 25.08.2020, besuchte uns der Leiter des Amts für Wohnbau und Stadterneuerung und teilte uns stellvertretend mit, dass der Eigentümer die Gespräche am Mittwoch nicht länger führen und weiter anonym bleiben will. Kommunikation zum Eigentümer könne allerdings über das Amt laufen. Er bot sich als “Mediator” und “Briefkasten” an. Der Amtsleiter informierte uns außerdem, dass der Eigentümer fragt, ob wir das Haus kaufen oder mieten könnten. Wir haben keine der Optionen abgelehnt, sondern unser Interesse bekundet, nach einer konkreten Summe gefragt und als weitere Alternative angeboten, dass wir uns auch einen Wächterhausstatus vorstellen könnten. Dies zeigt, dass wir konkrete finanzielle Abmachungen mit dem Eigentümer eingehen wollten, wodurch erneut unser Bemühen um Verhandlungen zur Legalisierung des Hausprojekts deutlich wurde. Des Weiteren haben wir einen Brief an den Eigentümer verfasst, welchen wir auch veröffentlichten [2]. Doch unsere ausgestreckte Hand wurde weggeschlagen. Am 28.08.2020 erschien in der BILD-Zeitung ein Interview mit dem 56-jährigen Eigentümer “Christoph R.” (Name von der BILD-Redaktion geändert) unter dem Titel „Gebäude in Leipzig besetzt – Chaoten lassen mich nicht in mein Haus“ [3].
Kaya von LeipzigBesetzen dazu: „Es gab im Zuge dieses Akts des zivilen Ungehorsams von unserer Seite keinerlei Eskalation – eher im Gegenteil, symbolisiert durch eine erste Nachbar*innenversammlung am Sonntag, den 23.08.2020 und eine zweite, die für Mittwoch, den 02.09.2020, um 19:00 angesetzt war. Und trotzdem hat die BILD es als nötig erachtet, uns als ‘Chaoten’ zu bezeichnen. Wir betrachten diese Form des ‘Journalismus’ als chaotisch. Herr R. hätte uns außerdem jederzeit kontaktieren können. Wir haben ihn sogar mehrfach dazu ermutigt. Diese Aktion hatte nie Bedrohung oder Gewalt als Ziel, sondern die Schaffung von Aufmerksamkeit für Missstände und die Notwendigkeit von kulturellen Freiräumen sowie günstigem Wohnraum. Häuser dürfen nicht als Zweitwohnsitz und Altersabsicherung dienen, so lange Andere in Wohnungsnot sind.“ Die zweite Pressesprecher*in Sasha fügt hinzu: „Dieses Schwarz-Weiß Denken und die Diskreditierung von Protest ist typisch für den Springer-Konzern. Die Aussage ‘Ein Kapitalist erwirbt im Osten Häuser und lässt sie verrotten, obwohl der Wohnraum dringend benötigt wird’ [3] ist verkürzt und hat nichts mit unseren Ansichten zu tun. Sie erfüllt lediglich schon lange ausgediente Ost-West-Klischees. Die BILD-Zeitung betreibt mal wieder Spaltung. Die Wohnungslage ist außerdem in der gesamten Bundesrepublik katastrophal, nicht nur im Osten.“ 
Der Artikel steht mit seiner Diffamierung von Protest in der Tradition der BILD. Was wir aber genau aus dem Artikel ablesen konnten, war, dass der Eigentümer kein “Freiberufler” ist, sondern Firmen-Inhaber und Investor. Außerdem konnten wir durch die offen gelegten Informationen zum Eigentümer und die Bildaufnahme den tatsächlichen Namen des Eigentümers und seine Firma recherchieren. Wir wussten jetzt, wer ‘Christoph R.’ ist und hatten endlich die Möglichkeit ihm direkt eine Mail zu schreiben, statt über Pressemitteilungen oder das AWS kommunizieren zu müssen. An dieser Mail saßen wir in der letzten Nacht vor der Räumung, um noch einmal direkt Verhandlungen anzubieten und konkrete Vorschläge zu machen.
Am gestrigen Mittwoch dann die Eskalation, welche seitens des Eigentümers heraufbeschworen wurde.
Das Vermächtnis der Luwi
Nichtsdestotrotz bewerten wir die Besetzung der Luwi71 als Erfolg. 
Die Besetzung konnte sich anderthalb Wochen halten, hat bundesweite Medienaufmerksamkeit erhalten und den Diskurs über Verdrängung, steigende Mieten sowie die Eigentumsfrage erneut angestoßen. Es waren etliche Stunden des gemeinsamen Schaffens in und vor dem Haus. Es gab politische Vorträge und Diskussionen, an den meisten Tagen Küfa, es spielten Liedermacher und Punkbands, wir kamen über die Nachbar*innenversammlung am 23.08.2020 mit den Anwohnenden über ihre Bedürfnisse und Wünsche ins Gespräch und haben gezeigt, dass wir es ernst meinen.
An dieser Stelle bedanken wir uns auch noch einmal bei allen Anwohnenden und Unterstützer*innen, die uns mit Lebensmitteln, Werkzeugen und Wasser versorgt haben. Bei den Menschen, die vor dem Haus gekocht, gesungen und geredet haben oder einfach durch ihre Anwesenheit zeigten, dass wir nicht allein sind und die Luwi auf Sympathie gestoßen ist. Fettes Danke!
Für Mittwochabend war eine zweite Nachbar*innenversammlung angedacht und im Anschluss ein erstes offenes Luwi-Plenum für alle Menschen, die Interesse gehabt hätten, aus der Luwi trotz des illegalisierten Status und den fehlenden Hausmedien (Strom, Wasser, Gas) das Haus zu nutzen. Für den heutigen Donnerstag hatten wir geplant die Luwi offiziell dem neuen Luwi-Plenum zu übergeben. Wir haben dafür eine Menge Vorarbeit geleistet. Der Müll, Schutt und Staub, welcher sich in den letzten zwei Jahrzehnten im Haus ansammeln konnte, wurde von uns aus den oberen Etagen komplett beseitigt und in zwei “Schutträume” ins Erdgeschoss verbracht. Bereit, um bei einer Legalisierung durch Container abgeholt zu werden. Wir hatten ein eigenes Gutachten über die Bausubstanz, den Hauszustand und Mängel erstellt. Eine Toilette haben wir wieder zum Abfließen gebracht, welche mit Wasserkanistern betrieben werden konnte. 
Jetzt wurde uns und somit auch der Nachbar*innenschaft sowie potenziell Nutzenden das alles wieder entrissen und die Luwi wird wohl wieder leerstehen, bis es sich für den Eigentümer lohnt das Haus gewinnbringend zu verkaufen oder die Luwi erneut besetzt wird. 
Zur Veröffentlichung des Klarnamens des Eigentümers
 
Wir haben uns Mittwochmorgen, noch während die Luwi geräumt wurde, dazu entschieden die Anonymität des Eigentümers Udo Heng zu brechen und zu veröffentlichen, wie seine Firma heißt. 
Es wäre gelogen, würden wir unerwähnt lassen, dass dabei auch Wut über die Geschehnisse eine Rolle gespielt hat. Die Gründe sind aber durchaus komplexer. Zum einen haben wir keine Lust das Versteckspiel und die Lügen des Eigentümers länger mitzuspielen. Udo Heng lehnte nicht nur jegliche Verhandlungen ab, sondern inszenierte sich in dem besagtem BILD-Interview außerdem als “Leidtragender der Sauerei”, als Künstler und nachhaltigen Firmeninhaber, der um seine Altersvorsorge beraubt wird [3]. Das ist einfach nicht der Fall, wie wir weiter oben bereits schrieben. 
Es gab allerdings Kritik an unserem Vorgehen. Kritik, die wir nicht einfach abwinken wollen, sondern in unseren Reflexionsprozess aufnehmen werden. So viel für den Moment:
Nein, der Eigentümer der Luwi71 ist nicht unser Feindbild. Das kapitalistische System, welches Strukturen schafft, in dem es Investoren wie Udo Heng, Menschen, die sich ihre Miete kaum mehr leisten können und verdrängt werden sowie uns Besetzer*innen, die versuchen dem etwas entgegenzusetzen, gibt, ist an sich das Problem. Kapitalismuskritik, die sich auf Einzelpersonen einschießt, ist verkürzt und wird von uns nicht vertreten. Deshalb rufen wir auch alle dazu auf besonnen zu bleiben und keine Übersprungshandlungen zu begehen.
Es ist aber eben auch nicht die Wohndresse Hengs, die wir veröffentlicht haben, sondern sein und der Name seiner Firma “Reeds ‘n Stuff”, deren Adresse dann recht einfach zu recherchieren ist. Uns bleiben nicht viele Möglichkeiten gegen Investoren wie Heng vorzugehen, da unsere Eigentumskollektivierungen regelmäßig durch den Staat und seine Handlanger zerschlagen werden. Also bleibt uns nur ihn dort zu treffen, wo es ihm womöglich noch am meisten weh tut – dem Image seiner Firma und ggf. finanziellen Einbußen, wenn es sich herum spricht, dass zwar vielleicht seine Oboenmundstücke nachhaltig sind, nicht aber seine Investitionen.
Der einzige der Mittwochmorgen einen aggressiven Mob aus 60 Personen in Kampfmontur auf schlafende Menschen im und vor dem Haus losgelassen hat, ist Heng selbst.
Die Wut auf die Straße tragen
Allerdings gibt es dennoch eine Möglichkeit der eigenen Wut und dem Ärger über die Räumung der Luwi71, zu hohe Mieten, Verdrängung und den Schutz von Investor*inneninteressen durch den Staat und das kapitalistische System Ausdruck zu verleihen. Heute auf der Tag X+1 Demo, unweit der Luwi 71, ist dafür Platz. Wir treffen uns 21h vor dem ALDI beim Rabet.
Kommt zahlreich. Organisiert euch in Bezugsgruppen. Seid solidarisch mit- und achtet aufeinander.
Wir sind solidarisch mit jeder Aktion, die uns unterstützt. Überlegt euch Aktionsformen und Ziele. Kurz: werdet selbst kreativ! Alle erlaubten Formen des Widerstandes gegen den Kapitalismus sowie alle emanzipatorischen Errungenschaften wurden immer regelbrechend erkämpft. Wir werden daher auch weiterhin Gesetze brechen und Leerstand besetzen. Es gibt allerhand leerstehende Häuser auf der und rund um die Eisenbahnstraße. Wir werden einfach weiter besetzen. Die nächsten Freiräume werden aber besser verteidigt sein. Wenn sie uns die Häuser nicht geben wollen, nehmen wir sie halt. Wir hoffen außerdem darauf, dass ihr unserem Beispiel folgt und euren wahrscheinlich schon lange im Kopf schwirrenden Ideen von Hausbesetzungen jetzt nachgeht. Wir unterstützen alle Hausbesetzungen von denen wir hören und verbreiten alle Nachrichten über unsere Info-Kanäle. Besetzt Häuser, stoppt Zwangsräumungen und organisiert den Mietstreik! Deshalb haltet euch bereit, hört euch um und bleibt in Bewegung. Die Häuser denen, die drin wohnen!
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